RDW4 Fachkräftemangel Titelbild

Das omnipräsente Problem Fachkräftemangel wird sich nicht von selbst erledigen. Mittlerweile hat diese Erkenntnis auch im Gastgewerbe dazu geführt, dass sich Geschäftsleute verstärkt mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Viele haben erkannt, dass sie jetzt personalintensive Prozesse optimieren müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Passende Tools dafür gibt es jedenfalls einige.

Wie das Gastgewerbe dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann

Mit der Digitalisierung im Gastgewerbe ist das so eine Sache: Auf der einen Seite gibt es nach wie vor viel zu viele Wirtschaftstreibende, die sich gar nicht erst mit diesem „neumodischen Zeug“ beschäftigen wollen – schließlich läuft das Geschäft doch gerade ganz gut. Auf der anderen Seite schrecken auch viele Angestellte immer noch vor dem Thema zurück – aus Angst, ihren Job irgendwann an einen Roboter zu verlieren. 

Um das Image der Digitalisierung in Gastronomie und Hotellerie steht es also nicht zum Besten. Trotzdem scheint es, als ob die allgemeine Skepsis langsam, aber sicher einer vorsichtigen Neugier weicht und sich mittlerweile mehr BetreiberInnen von Restaurants trauen, das ein oder andere Tool doch mal auszuprobieren. Zaghaft zwar, aber immerhin. Denn selbst dieses zögerliche Herantasten ist hierzulande schon ein Fortschritt. Der Großteil der Gastgebenden handelt diesbezüglich aber keineswegs aus Überzeugung oder Pioniergeist, sondern setzt sich schlicht aus purer Not mit der Digitalisierung auseinander. Der grassierende Fachkräftemangel macht’s möglich.

Kampf um den Nachwuchs voll entbrannt

Es ist nicht mehr wegzudiskutieren: Der ungedeckte Bedarf an Fach-, Führungs- und Nachwuchskräften bedroht das Gastgewerbe als solches in seiner Gesamtheit. Kneipensterben, geschlossene Sternerestaurants: alles Auswirkungen, die direkt oder indirekt mit fehlendem oder unqualifiziertem Personal zusammenhängen. Headhunter, früher eher auf das Anwerben von Arbeitskräften mit akademischem Abschluss spezialisiert, zählen heute vermehrt auch Unternehmen aus dem Gastgewerbe zu ihren Kunden. Und: Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht.

Darauf, dass sich die Situation in Zukunft nicht etwa abmildern, sondern eher noch verschlimmern wird, deutet unter anderem der regelmäßig veröffentlichte Zahlenspiegel des DEHOGA hin. Demnach ist die Zahl der Ausbildungsverhältnisse seit Jahren rückläufig, während der Bedarf an Nachwuchsfachkräften stetig steigt. Zu häufig werden Ausbildungsverhältnisse vorzeitig beendet, auch wenn es oft nur zu einem Wechsel des Ausbildungsganges innerhalb der Branchenberufe kommt. Allzu oft können Betriebe nicht alle Stellen besetzen.

Auch Spitzengastronomie denkt um

Die katastrophale Personalsituation in der Gastro-Branche wird sich so schnell also nicht entspannen. Deswegen tun zukunftsgerichtete Arbeitgebende gut daran, sich mit digitalen Entwicklungen zu beschäftigen, um das knappe Personal spürbar zu entlasten.

Das gilt nicht nur für das gutbürgerliche Restaurant oder den Imbiss um die Ecke − der Fachkräftemangel hat mittlerweile auch die Spitzengastronomie erfasst: Von den 300 im November 2017 im Guide Michelin aufgeführten deutschen Sternerestaurants waren wenige Monate später bereits mehr als ein Dutzend schon wieder geschlossen, darunter so klangvolle Namen wie das La Vie in Osnabrück, das Dallmayr in München und die Speisemeisterei in Stuttgart. Kaum ein Gourmetrestaurant, das heute nicht verzweifelt Online-Stellenanzeigen platziert – auf der eigenen Startseite, wohlgemerkt. Dass auch renommierte Gourmettempel intensiv um qualifizierten Nachwuchs buhlen müssen, ist neu und war bis vor wenigen Jahren noch undenkbar.

Folgerichtig findet seit einiger Zeit auch in der gehobenen Gastronomie ein Umdenken statt, und immer mehr SpitzenköchInnen plädieren für einen offeneren Umgang mit der Digitalisierung:

Zitat-Heinz-Otto-Wehmann-zur-Digitalisierung-GASTROFIX„Das Gastgewerbe – und damit meine ich insbesondere auch die Spitzengastronomie – sollte sich dringend mehr mit den Möglichkeiten beschäftigen, die die Digitalisierung mit sich bringt.“

Heinz Otto Wehmann, Landhaus Scherrer (Hamburg)

Zitat-Fernsehkoch-Alexander-Herrmann-zur-Digitalisierung-als-Chance-GASTROFIX„Die Digitalisierung ist Chance und Herausforderung zugleich. Gerade das Gastgewerbe kann von automatisierten Prozessen massiv profitieren.“

Alexander Herrmann, Fernsehkoch und Gastronom

Zitat-Nicolai-Wiedmer-zum-Fachkraeftemangel-GASTROFIX„Die Spitzengastronomie kämpft wie alle anderen Betriebe mit der großen Herausforderung unserer Zeit, dem Fachkräftemangel. Höchste Zeit, sich nach technischen Innovationen umzuschauen, um den Personaleinsatz möglichst effizient zu gestalten.“

Nicolai Wiedmer, Restaurant Eckert (Grenzach-Wyhlen)

Zitat-Vedad-Hadziabdic-zur-Digitalisierung-von-Fine-Dining-GASTROFIX„Optimierte Prozesse im Tagesgeschäft bedeuten mehr zufriedene Kundschaft bedeuten mehr Umsatz. So hilft die Digitalisierung auch im Fine-Dining-Sektor.“

Vedad Hadziabdic (r.), SAVU (Berlin)

Digitale Helferlein

Die gute Nachricht: GastronomInnen, die ihr Personal mit digitalen Werkzeugen unterstützen wollen, können heute aus einem stetig wachsenden Kreis an innovativen Anbietern wählen. Beinahe täglich präsentieren Start-ups, aber auch arrivierte Unternehmen zum Teil bahnbrechende Entwicklungen, mit denen sich personalintensive Prozesse im gastronomischen Alltag effizient automatisieren lassen. Die Palette reicht dabei von selbstlernenden Chatbots und intelligenten Sprachassistenten über digitale Gästemappen bis hin zu Servicerobotern.

Angesichts immer neuer Tools und Services fragen sich Gastgebende: Welches Feature brauche ich für meinen Betrieb? Worauf muss ich beim Einsatz achten? Und wann zahlt sich die Investition für mich aus? Alles berechtigte Fragen. Beantworten muss sich diese aber jeder individuell: durch den Willen zum Ausprobieren und eine „Einfach mal machenˮ-Einstellung. Denn nur so kann man seinen Betrieb fit für die Zukunft machen. Totalverweigerung hingegen wird über kurz oder lang unweigerlich zur Niederlage im Kampf ums Personal führen.

Clevere Tools zur Entlastung des Personals

GASTROFIX Fachkräftemangel Table DuckDas Start-up aus den Niederlanden hat einen neuartigen Chatbot entwickelt, der über Instant-Messaging-Dienste mit den Gästen kommuniziert. Bestellungen gehen über den Facebook Messenger direkt an den Bondrucker in der Küche oder an der Bar. Bezahlt wird ebenfalls über den Messenger, wahlweise mit PayPal, Kreditkarte oder sogar Bitcoins. Die Servicekraft muss die Gerichte nur noch an den Tisch bringen und wird somit spürbar entlastet. www.tableduck.com

GASTROFIX-Restaurant-Digital-World-4Dieser Artikel stammt aus Restaurant Digital World. Hier geht´s zur aktuellen Ausgabe. Alle weiteren Ausgaben finden Sie im Archiv.

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