Mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Mai 2019 sind Arbeitgeber in den Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeitenden ganz genau zu erfassen. Wir haben mit Oliver Gadow, Country Manager DACH bei Planday, über die aktuelle Situation gesprochen, und ob er sich angesichts der Pflicht zur Zeiterfassung schon die Hände reibt.

Planday-Geschäftsführer Oliver Gadow

Oliver Gadow (51) ist seit vielen Jahren in Start-ups verantwortlich für Sales und Marketing. Er beschäftigt sich seit 20 Jahren mit der Digitalisierung und  verantwortet seit 2017 die Geschäfte von Planday in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

hogaFUTURE: Oliver Gadow, seit dem Urteil des EuGH sind Schlagworte wie Zeiterfassung und Stechuhr wieder in aller Munde. Was bedeutet das denn nun konkret für unsere Branche, das Gastgewerbe: Bürokratiemonster oder sinnvolle Dokumentationspflicht?

Oliver Gadow: Wie schon unsere Kanzlerin sagte, wird ja nun in aller Ruhe und mit großer Sorgfalt geprüft, wie das Ganze in Deutschland umzusetzen ist. In der Gastronomie gibt es allerdings eh schon relativ strenge Regeln und Auflagen zur Arbeitszeitdokumentation. Sie ist laut DEHOGA Konjunkturumfrage 2017 eine der größten Herausforderungen und der Druck wird sich durch das Urteil weiter erhöhen.

„Wir versprechen uns einen großen Kundenzuwachs“

Bei Euch in der Zentrale in Kopenhagen haben nach der Verkündung des EuGH sicher die Korken geknallt, oder? Immerhin muss sich nun jedes Unternehmen eine professionelle Zeiterfassung anschaffen, die Ihr unter anderem anbietet. Steht Euch jetzt ein Rekordjahr bevor?

Die erste Reaktion – und ich war tatsächlich an dem Tag in Kopenhagen – war sehr euphorisch. Wir gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Umsetzung noch auf sich warten lässt. Aber natürlich versprechen wir uns durch das Urteil einen großen Kundenzuwachs, zumal wir unterschiedliche Methoden der Zeiterfassung anbieten.

Spürt Ihr vielleicht jetzt schon erste Auswirkungen auf Eure Verkaufszahlen?

Nein, dafür ist die Unsicherheit noch zu groß und die deutschen Kunden agieren eher abwartend.

Die Arbeitszeit der Mitarbeitenden dokumentieren ist das eine. Was kann Planday noch leisten?

Planday bietet von der Schichtplanung auf Basis von Verfügbarkeiten und Urlaub, über die Zeiterfassung, Schichttausche, DSGVO-konforme Kommunikation, digitaler Personalakte bis hin zur vorbereitenden Lohnabrechnung ein Tool zur Digitalisierung aller Prozesse rund ums Personal und die Schichtplanung.

Sinnvolle Kombi:
Zeiterfassung & Kassensystem

Wie funktioniert das Zusammenspiel von Planday und dem GASTROFIX-Kassensystem?

Über den Import der Daten aus der GASTROFIX-Kasse wird der Gastronom oder Hotelier in die Lage versetzt, Personal umsatzbezogen zu planen. Er kann schnell auf Veränderungen reagieren. Dadurch können Ressourcen und Kosten gespart werden. 

Worin unterscheidet sich Planday von anderen Anbietern, was ist Euer USP?

Wir wollen die Kollaboration zwischen Unternehmen und Mitarbeitern verändern und legen daher einen großen Fokus auf die Digitalisierung der Kommunikation und der Prozesse.

Warum sollte ich als GASTROFIX-Kunde unbedingt die Schnittstelle zu Planday hinzubuchen?

Um eine größere Planungssicherheit zu haben und Unter- bzw. Überplanung beim Personal zu verhindern.

Lernen von Nordlichtern

Ihr habt Eure Wurzeln in Dänemark und seid in Skandinavien weit verbreitet. Was zeichnet den Arbeitsmarkt in Dänemark und Skandinavien aus? Was kann Deutschland hier von den nördlichen Europäern lernen?

Die Skandinavier stellen den Mitarbeitenden viel stärker in den Mittelpunkt. Die Entwicklung der Mitarbeiter und ihr Wohlbefinden sind Bestandteil dieser Kultur. Aber auch der Umgang mit Fehlern ist in Skandinavien viel besser als in Deutschland. 

Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Roboter: Viele Menschen, gerade in der Gastronomie, haben Angst, Ihren Arbeitsplatz zu verlieren und durch eine App oder etwas Ähnliches ersetzt zu werden. Wie steht Ihr zu diesen Befürchtungen?

Die Digitalisierung betrifft nicht nur die Gastronomie. Es gibt andere Industrien, die davon definitiv stärker betroffen sein werden. Der Faktor Mensch ist in unserer Branche schließlich immer noch häufig entscheidend. Wir beobachten aber, dass junge Generationen einen anderen Anspruch an Service haben, und sich das Verhalten in einem Restaurant extrem verändert hat. Niemand sitzt heute mehr ohne Smartphone am Tisch – Basis für Veränderungen im Gastraum, aber natürlich auch in Küche und bei Lieferanten. 

Die Konnotation von „Arbeit“

Der Begriff “Arbeit” und seine Konnotation befindet sich im Wandel. Wie werden wir ihn im Jahr 2050 definieren? Was wird sich alles verändern?

Die Verschmelzung von Freizeit und Arbeit wird schon vor 2050 unsere Art zu Leben total verändert haben. Work-Life-Balance wird nicht mehr durch ein zeitliches Aufwiegen, sondern durch den Sinn, den wir in der Arbeit sehen, bestimmt sein. Globales, ortsunabhängiges Arbeiten mit wechselndem Personal wird der Normalzustand sein. Und die Bedeutung von Büros wird wahrscheinlich rapide abnehmen. Spannend, das miterleben zu können.

Herr Gadow, vielen Dank für das Gespräch.

GASTROFIX arbeitet im Bereich Zeiterfassung & Schichtplanung mit mehreren führenden Unternehmen zusammen.

Sie haben die Wahl!


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