Titel Recruiting im Gastgewerbe

An Social Media kommt heute keine Branche mehr vorbei. Auch Unternehmen aus der Gastronomie nutzen die vielfältigen Werbe- und Kommunikationsmöglichkeiten – verstärkt auch, um sich als attraktive Arbeitgebende ins Gespräch zu bringen. Expertin Franziska Ebertowski erklärt, warum das eine kluge Strategie ist und wie cleveres Recruiting im Gastgewerbe heute funktioniert.

Recruiting im Gastgewerbe Franziska Ebertowski für Gastrofix

Die gelernte Reiseverkehrskauffrau Franziska Ebertowski studierte nach ihrer Ausbildung Eventmanagement. Nach einem Zwischenstopp im Einzelhandel gründete die Mehrfachmutter schließlich in Hamburg ihre eigene Social-Media-Agentur Finest Blogger.

Wie Facebook, Instagram und Co. beim Recruiting im Gastgewerbe helfen können

hogaFUTURE: Frau Ebertowski, Sie haben Finest Blogger gegründet. Was genau müssen wir uns darunter vorstellen?

Franziska Ebertowski: Finest Blogger ist eine Social-Media-Agentur mit Sitz in Hamburg. Wir pflegen Accounts von Firmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, darunter auch die Gastronomie. Wir entwickeln passende Strategien und den entsprechenden Content – je nach Größe und Wunsch des Unternehmens.

Haben Sie das Gefühl, dass die Bedeutung des Themas Social Media in der Gastronomie angekommen ist? Was müssen interessierte Gastgebende wissen? Wie kann Social Media beim Recruiting im Gastgewerbe helfen?

Wir haben bereits für einige Kunden aus dem Gastro-Sektor gearbeitet, und ich glaube, dass es speziell für diesen Bereich sehr wichtig ist, in den sozialen Medien vertreten zu sein. Man muss aber die Bereitschaft mitbringen zu investieren. Und damit meine ich nicht nur monetär, sondern vor allem auch zeittechnisch. Gute Social-Media-Kanäle macht man nicht mal eben nebenbei, sondern es muss eine vernünftige, zielgruppengerechte Strategie dahinter stehen, mit kontinuierlicher Pflege als tägliche Aufgabe.

Social Media Recruiting im Gastgewerbe

Social Media auch für Recruiting im Gastgewerbe wertvoll

Mal abgesehen von den modernen Betrieben, die sicherlich wissen, wie wichtig Social-Media-Marketing ist: Gibt es in der Gastronomie auch Traditionsunternehmen, die bereits darauf setzen?

Jein. Ein recht traditioneller Betrieb ist einmal auf uns zugekommen. Die wussten zwar, dass sie Unterstützung in diesem Bereich brauchten – vor allem im Bereich Personal, waren allerdings noch so verkopft, dass sie nach dem Gespräch dann sagten: „Nee, wir probieren das doch erstmal ohne.“ Es ist eben einfach eine ganze Menge Arbeit, die viel Zeit kostet. Das schreckt viele ältere GastronomInnen dann auch ab.

Mit welchen Anliegen kommen GastronomInnen sonst noch auf Sie zu?

Da ist zum einen die Reichweite. Vor allem bei neuen Läden geht es häufig zuallererst um das Bekanntmachen – dafür arbeiten wir viel mit Bloggern zusammen. Aber immer wichtiger für unsere Kunden wird auch die Personalsuche. Da ist dann die Strategie recht aufwendig, aber durch die erzielte Reichweite kommt man relativ gut an junges, frisches Personal. Manche haben den Laden beispielsweise zwar immer voll, dafür aber Probleme, neue Mitarbeitende zu finden. Da stellt man dann beispielsweise das bestehende Personal in kleinen Clips vor und geht auf die Benefits des Betriebs ein und warum es sich lohnt, dort zu arbeiten. Da müssen dann aber auch die Arbeitskonditionen stimmen, sonst lehne ich den Auftrag lieber ab. Bei schlechten Bedingungen braucht es auch gar keine Werbung, da muss an anderen Schrauben gedreht werden.

Spannende Geschichten erzählen

Worin liegt für Sie der Vorteil, auf diesen Kanälen Personal zu suchen?

Man ist tagesaktuell. Und man kann Geschichten erzählen von Leuten, die dort arbeiten, den Arbeitsplatz live zeigen, die ganzen Features und Benefits abbilden und aufmerksamkeitsstark präsentieren. Das kann man in einer Zeitung, in der nur ganz begrenzt Platz ist, eben nicht. Außerdem sind die Reaktionszeiten sehr schnell. Das heißt, wenn die Leute die Anzeige sehen, können sie sofort reagieren und eine Nachricht schicken – der Kommunikationsweg ist also kürzer. Das muss man heutzutage auch nutzen, denn die ganze Lebenslaufnummer braucht man nicht zwingend für die Suche nach Servicepersonal. Da müssen ganz andere Dinge passen. Ich habe auch selbst schon Anzeigen in Wochenblättern geschaltet und miterlebt, was da dann für Bewerbungen kommen, obwohl man 700 Euro dafür gezahlt hat. Manchmal funktioniert das bestimmt noch, aber ich habe eher schlechte Erfahrungen damit gemacht.

Funktioniert jede Stellenausschreibung über Instagram?

Das ist für jede Vakanz individuell. Suche ich jemanden für eine höhere Position? Dann muss ich vielleicht ergänzend auch mal Werbeanzeigen auf Facebook schalten oder LinkedIn als Portal hinzuziehen. Bei Service- und Barpersonal ist Instagram auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Immer mehr Unternehmen nutzen auch bekannte Influencer, um ihr Produkt oder sich selbst als potenziellen Arbeitgebenden zu promoten. Diese Person veröffentlicht auf ihrem Account mit Tausenden, manchmal sogar Millionen Followern einen positiven Bericht, für den sie vom Unternehmen bezahlt wird.

”Die Zusammenarbeit mit kleinen Influencern ist meist effizienter”

Warum setzen Sie gerade vor allem auf Influencer mit geringerer Reichweite?

Ich arbeite gerne mit „kleineren“ Influencern zusammen, da Unternehmen sich die großen meist gar nicht mehr leisten können. Influencer ab etwa 20.000 Followern wollen eine Menge Geld pro Post haben. Und bei Preisen pro Post weiß ich immer sofort, dass das auf keine langfristige Kooperation hinausläuft. Ich halte jedoch sehr viel davon, langfristig, also mit einer ganzen Kampagne und mehreren Posts, zu kooperieren, gerade im Bereich Gastro. Und da sind kleinere Accounts meist deutlich zielführender.

Wie kann das Recruiting in der Gastronomie davon profitieren?

Gerade im Gastronomiebereich beobachte ich, dass bekannte Influencer mit einer großen Anhängerschaft jeden Tag in einem anderen Restaurant essen gehen und damit einmalig einen Ort promoten. Das macht für mich aber keinen Sinn, denn insbesondere bei Stammrestaurants ist es doch so: Man hört zum ersten Mal von einer tollen neuen Loca- tion, dann ein zweites und drittes Mal, und irgendwann denkt man: „Okay, ich will da jetzt auch mal hin.“ Und das nicht nur zum Essen, sondern vielleicht auch als potenzielle künftige Arbeitskraft. Das funktioniert so aber nur bei langfristigen Kooperationen. Außerdem stimmt bei den großen Influencern meist gar nicht mehr die Zielgruppe mit den Anforderungen der Unternehmen überein, was diese oftmals nicht wissen.

Welchen abschließenden Tipp haben Sie noch für Geschäftsleute? 

Setzen Sie sich ernsthaft mit Social Media als Recruiting-Instrument auseinander. Es wird sich lohnen. Aber bitte nicht vergessen: Social Media kostet Geld, es ist Arbeit, und der ganze Betrieb muss mitmachen.

Frau Ebertowski, vielen Dank für das Gespräch.

(Das Interview über Recruiting im Gastgewerbe führte Lisa Kretz.)

GASTROFIX-Restaurant-Digital-World-4Dieser Artikel stammt aus Restaurant Digital World. Hier geht´s zur aktuellen Ausgabe. Alle weiteren Ausgaben finden Sie im Archiv.